Nahrungsergänzungsmittel sind keine Arzneimittel
Nahrungsergänzungsmittel gehören rechtlich zu den Lebensmitteln. Sie sollen die allgemeine Ernährung ergänzen, nicht Krankheiten behandeln, heilen oder verhindern. 1
Das bedeutet auch:
- Ein Vitaminprodukt ersetzt keine ausgewogene Ernährung.
- Ein Produkt darf nicht allein anhand eines Symptoms ausgewählt werden.
- Müdigkeit, Haarausfall, Konzentrationsprobleme oder Muskelschmerzen beweisen keinen bestimmten Nährstoffmangel.
Braucht jeder Mensch Nahrungsergänzungsmittel?
Nein.
Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung erklärt, dass gesunde Personen mit ausgewogener Ernährung in der Regel ausreichend versorgt sind. In bestimmten Lebenssituationen und bei einzelnen Nährstoffen kann eine gezielte Ergänzung jedoch erforderlich oder empfohlen sein. Dazu gehören beispielsweise Folsäure vor und zu Beginn einer Schwangerschaft oder Vitamin B12 bei veganer Ernährung. Bei chronischen Erkrankungen und Medikamenteneinnahme sollte die Einnahme ärztlich abgestimmt werden. 23
Ein Referenzwert, den du laut Ernährungserhebung rechnerisch nicht erreichst, ist außerdem nicht automatisch gleichbedeutend mit einem diagnostizierten Mangel. Ernährung, Aufnahme im Körper, individuelle Situation und gegebenenfalls Laborwerte müssen gemeinsam betrachtet werden.
Wann kann eine gezielte Ergänzung sinnvoll sein?
Eine Ergänzung kann unter anderem geprüft werden bei:
- einer medizinisch festgestellten unzureichenden Versorgung;
- einer veganen Ernährung, insbesondere bei Vitamin B12;
- Schwangerschaft oder Kinderwunsch;
- bestimmten Erkrankungen oder Aufnahmestörungen;
- sehr einseitiger Ernährung;
- stark eingeschränkter oder sehr kalorienreduzierter Ernährung, etwa im Rahmen einer Diät;
- höherem Lebensalter, zum Beispiel bei nachlassender Vitamin-B12-Aufnahme oder geringer Sonnenexposition;
- ärztlich festgestelltem erhöhtem Bedarf.
Dabei sollte möglichst klar sein:
- Welcher Nährstoff ergänzt werden soll.
- Warum die Ergänzung erforderlich ist.
- Welche Menge geeignet ist.
- Wie lange sie eingenommen werden soll.
- Wann eine erneute Kontrolle sinnvoll ist.
Einzelprodukt oder Multivitamin?
Ein Multivitaminprodukt kann praktisch sein, wenn mehrere Nährstoffe in moderaten Mengen ergänzt werden sollen. Ein Einzelprodukt lässt sich dagegen gezielter dosieren.
Ein Einzelprodukt passt eher, wenn:
- ein konkreter Nährstoff ergänzt werden soll;
- eine bestimmte Menge empfohlen wurde;
- andere Nährstoffe bereits ausreichend aufgenommen werden;
- Doppelungen vermieden werden sollen.
Ein Kombinationsprodukt passt eher, wenn:
- mehrere Nährstoffe gemeinsam vorgesehen sind;
- die Dosierungen zur persönlichen Situation passen;
- keine unnötigen Doppelungen mit anderen Produkten entstehen.
Entscheidend ist nicht die Anzahl der enthaltenen Vitamine, sondern die Frage, ob die Zusammensetzung zum tatsächlichen Bedarf passt.
Mehr dazu im Ratgeber: Kombinationsprodukt oder Einzelnährstoff?
Was bedeutet Prozent NRV?
NRV steht für Nährstoffbezugswert. Die Prozentangabe zeigt, welchen Anteil der festgelegten täglichen Referenzmenge eine Tagesportion liefert.
100 % NRV bedeutet nicht:
- dass jeder Mensch exakt diese Menge benötigt;
- dass 200 % automatisch doppelt so gut sind;
- dass ein Mangel diagnostiziert wurde;
- dass alle Quellen außer dem Produkt ignoriert werden können.
Achte darauf, ob die Angabe pro Tablette, pro Beutel oder pro empfohlener Tagesdosis erfolgt. Mehr dazu im Ratgeber: Pro Kapsel oder pro Tagesdosis?
Kann man Vitamine und Mineralstoffe überdosieren?
Ja, insbesondere durch hoch dosierte Nahrungsergänzungsmittel, durch die Kombination mehrerer Präparate und durch zusätzlich angereicherte Lebensmittel.
Über normale, abwechslungsreiche Lebensmittel ist eine übermäßige Zufuhr deutlich weniger wahrscheinlich. Das Risiko steigt, wenn mehrere konzentrierte Quellen gleichzeitig genutzt werden. 4
Für die Risikobewertung wird unter anderem der Tolerable Upper Intake Level, kurz UL, verwendet. Er beschreibt eine tägliche Gesamtzufuhr, bei der bei langfristiger Aufnahme voraussichtlich kein relevantes Gesundheitsrisiko zu erwarten ist. Dabei zählt die Gesamtmenge aus allen berücksichtigten Quellen, nicht nur aus einer einzelnen Packung.
In der EU sind bislang keine einheitlichen verbindlichen Höchstmengen für alle Vitamine und Mineralstoffe in Nahrungsergänzungsmitteln festgelegt. Das BfR veröffentlicht deshalb wissenschaftlich begründete Höchstmengenvorschläge. Diese sind Orientierung und dürfen nicht mit gesetzlichen Grenzwerten verwechselt werden. 45
Warum mehrere Produkte zusammen problematisch werden können
Ein Beispiel:
- ein Kollagenprodukt enthält Vitamin C, Zink, Kupfer und Selen;
- ein Multivitamin enthält dieselben Nährstoffe erneut;
- zusätzlich wird ein Einzelprodukt mit Zink oder Vitamin C verwendet;
- dazu kommen angereicherte Getränke oder Lebensmittel.
Jedes einzelne Produkt kann korrekt deklariert sein. Trotzdem kann die Summe unnötig hoch werden.
Deshalb lohnt sich eine persönliche Tagesübersicht: Notiere je Nährstoff, wie viel die einzelnen Produkte zusammen liefern – und vergleiche erst diese Summe.
Worauf solltest du bei der Einnahme achten?
- Halte dich an die Verzehrempfehlung.
- Prüfe, ob die Menge pro Einheit oder pro Tagesportion angegeben ist.
- Beginne nicht mehrere neue Produkte gleichzeitig.
- Berücksichtige Nahrungsergänzungsmittel anderer Marken.
- Prüfe mögliche Wechselwirkungen mit Medikamenten.
- Verwende hoch dosierte Einzelprodukte nicht dauerhaft ohne nachvollziehbaren Grund.
Bei Vitamin D warnt das BfR beispielsweise vor unkontrollierten hohen Einzeldosen in größeren Zeitabständen. Solche „Megadosen“ sind nicht mit einer normalen täglichen Ergänzung gleichzusetzen. 6
Hoch dosiertes Eisen sollte nur nach ärztlicher Abklärung eingenommen werden.
Wer sollte vor der Einnahme fachlichen Rat einholen?
Besondere Vorsicht gilt bei:
- Schwangerschaft und Stillzeit;
- Kindern und Jugendlichen;
- Nieren-, Leber-, Herz- oder Schilddrüsenerkrankungen;
- regelmäßiger Medikamenteneinnahme;
- diagnostizierten Stoffwechselerkrankungen;
- vermutetem Eisenmangel oder anderen behandlungsbedürftigen Mängeln.
Fazit
Vitamine und Mineralstoffe sind lebensnotwendig. Daraus folgt aber nicht, dass jede Person möglichst viele davon als Nahrungsergänzung einnehmen sollte.
Die sinnvollere Logik lautet:
Bedarf verstehen, Produkt gezielt auswählen, Gesamtzufuhr prüfen und unnötige Doppelungen vermeiden.
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Mehr Orientierung im Ratgeber:
Häufige Fragen
Braucht jeder Mensch ein Multivitamin?
Nein. Bei gesunden Menschen mit ausgewogener Ernährung ist ein Multivitamin nicht grundsätzlich notwendig.
Sind 200 % NRV gefährlich?
Nicht automatisch. Die Bewertung hängt vom Nährstoff, der Dauer, der Gesamtzufuhr und der persönlichen Situation ab. Mehr ist jedoch nicht automatisch besser.
Kann ich mehrere Nahrungsergänzungsmittel kombinieren?
Grundsätzlich ja, aber die Gesamtzufuhr gleicher Vitamine und Mineralstoffe muss geprüft werden.
Woran erkenne ich, wie viel Eisen tatsächlich in einer Tagesportion steckt?
Entscheidend ist die Menge elementaren Eisens pro Tagesportion und der Anteil am NRV, nicht die Menge der Eisenverbindung. Ein Produkt mit 14 mg Eisen pro Tagesportion deckt 100 % des NRV. Eisen trägt zu einem normalen Sauerstofftransport im Körper und zur Verringerung von Müdigkeit und Ermüdung bei.
Sind BfR-Höchstmengen gesetzliche Grenzwerte?
Nein. Es handelt sich um wissenschaftliche Empfehlungen zur Risikoorientierung, nicht um einheitliche EU-weit verbindliche Höchstgrenzen.
Quellen
Quellenstand: 13.08.2026.
- BVL: Nahrungsergänzungsmittel vs. Arzneimittel
- DGE: FAQ Nahrungsergänzungsmittel
- DGE: FAQ Vitamin B12
- BfR: Bewertung von Vitaminen und Mineralstoffen in Lebensmitteln
- European Commission: Food supplements – levels of vitamins and minerals
- BfR: Hohe Einzeldosen Vitamin D im Abstand von Tagen oder Wochen bergen gesundheitliche Risiken